Der Vogelsberg ist einer der größten natürlichen Wasserspeicher Deutschlands. Durch seinen Aufbau von unterschiedlich durchlässigen Schichten aus Vulkangestein speichert er riesige Grundwassermengen in ausgezeichneter Trinkwasserqualität.

 

Seit rund 150 Jahren dient der Vogelsberg der überregionalen Wasserversorgung vor allem für die Metropolregion Frankfurt / Rhein Main. Der Bereich um Herchenhain und Hartmannshain ist Einzugsgebiet mehrerer Trinkwassergewinnungsanlagen.

 

Sichtbare Zeichen des Wasserreichtums sind die zahlreichen Quellen. Im Inneren des Vogelsberges sammelt sich über wasserundurchlässigen Schichten aus Tuff (verfestigte vulkanische Asche) und Ton in klüftigem Basaltgestein Grundwasser an. Diese Reservoire sind Ursprung der vielen Quellen. Zusammen mit den ergiebigen Niederschlägen wird die Bergmähwiesen-Vegetation so mit Wasser versorgt.

 

Quellen bieten einzigartige Lebensräume für kleinste Tierarten, wie den aus der Eiszeit stammenden Alpenstrudelwurm oder die seltene Rhön-Quellschnecke. Als empfindliche Biotope müssen Quellen besonders geschützt werden. Alles Leben hängt von sauberem Wasser ab.

 

 

Hintergrundinformation

 

Umweltverträgliche Wassergewinnung

 

Aufgrund seiner geologischen und klimatischen Besonderheiten dient der Vogelsberg seit über 150 Jahren der überregionalen Wassergewinnung. In Bad Salzhausen ist die älteste Wassergewinnungsanlage aus dem Jahre 1858 noch heute für Trinkkuren in Betrieb. Um Frankfurt mit dem Vogelsberger Wasser zu versorgen wurde bereits 1872 die erste Fernwasserleitung vom Quellgebiet Fischborn in die Metropole verlegt.

Heute gibt es elf überregionale Wasserwerke im Vogelsberg. Dabei sind die Förderleistungen der Vogelsberger Brunnen hoch, so dass im Ausgleich ein besonderes Augenmerk auf die umweltverträgliche Grundwasserförderung geworfen werden muss. Eine Vielzahl von Feuchtbiotopen wie Niedermoore, Feuchtwiesen und naturnahe Auen ist an die Existenz von oberflächennahem Grundwasser gebunden. Um die Grundwasserentnahme und den Umweltschutz in Einklang zu bringen, wurde ein „Leitfaden zur Durchführung der Untersuchungen im Rahmen von Wasserrechtsanträgen“ entwickelt. Mit dem Leitfaden konnte ein Konzept zur Verringerung des Wasserbedarfs sowie ein System, welches die Auswirkungen der Grundwasserentnahme auf die nahe Umwelt analysiert und aufzeigt, etabliert werden. Durch die Ermittlung, ob die Grundwasserentnahme ein ökologisches Risiko darstellt, soll unter anderem der Schutz von Feuchtbiotopen mit ihrer Pflanzen- und Tierwelt erfolgen.

 

 

Hydrogeologie des Vogelsberges

 

Betrachtet man die geologische Struktur des Vogelsberges, so werden verschiedene aufeinander folgende Gesteinseinheiten sichtbar, die die Qualität und Zusammensetzung des Grund- und Sickerwassers der Region mitbestimmen.

 

Der Vogelsberg ist ein Kluftgrundwasserleitsystem. Die Bezeichnung stammt dabei von den geologischen Voraussetzungen der Region. Niederschlagswasser aus Regen und Schnee sammeln sich in den Hohlräumen der Erdkruste, die in der Region des Vogelsberg aus aus kompakten Basaltgesteinen mit Klüften bestehen. Das Niederschlagswasser füllt die Hohlräume im Gestein und wird an die folgenden Gesteinsschichten weitergegeben.

Man unterscheidet grundwasserleitenden, grundwassergeringleitende und grundwassernichtleitende Schichten.

 

In der Region des Vogelsbergs wechseln sich vornehmlich Basalteinheiten und Tuffgesteine ab. Tuffgestein besteht aus verfestigter vulkanischer Asche und ist damit das Ergebnis aus der Entstehungsgeschichte des Vogelsbergs, welche durch den Vulkanismus geprägt war. Vor allem die Tuffschichten sind schlechte Grundwasserleiter, sodass es hier zum „Stau” des Wassers kommt.  Hingegen wird das Grundwasser gut transportiert wenn es die Schichten des klüftige Basalt erreicht. Eine zusätzliche Schicht aus tonhaltigen Böden ist ebenfalls zu finden.

 

Da es zwischen den vulkanisch aktiven Phasen auch längere Unterbrechungen gab, konnte der basaltische Untergrund unter warm/feuchten Klimabedingungen verwittern, sodass es zur Bodenbildung kam. Die dabei entstandenen Tonminerale reicherten sich in diesem Boden an. Tonhaltige Böden sind ebenfalls schlechte Grundwasserleiter.

 

Der Wechsel von unterschiedlich durchlässigen Gesteinsschichten führt zu einer Grundwasserstockwerksgliederung: 1) die Oberwaldzone, 2) die Zone der Schwebenden Grundwasserstockwerke und 3) die Zone der Durchgehenden Grundwassersättigung.

Versickerndes Wasser trifft auf Gesteinsschichten, die eine Versickerung in unterlagernde Schichten zulassen (Grundwasserleiter), die eine Versickerung verzögern (Grundwassergeringleiter) oder das Wasser vollständig stauen (Grundwassernichtleiter).

Während die Basis des Vogelsberges komplett mit Grundwasser gesättigt ist und eines der größten Trinkwasserreservoire Hessens darstellt, sorgen die schwebenden Grundwasser-Stockwerke für viele Quellen rund um den Vogelsberg, die seinen Wasserreichtum charakterisieren. Darum dient der Vogelsberg seit etwa 150 Jahren der überregionalen Wasserversorgung, vor allem des Rhein-Main Gebietes, welcher der Hauptabnehmer des Wassers aus dem Vogelsberg ist.

 

 

Weiterführende Informationen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildergalerie

„Wasser ist Erlebnisraum für den Menschen. Der Blick auf fließendes Wasser nach einem langen Arbeitstag ist beruhigend und ausgleichend. In unseren hektisch geprägten Alltagen ist es immer wieder nötig, eine kurze Auszeit zu nehmen. Der Blick ins sich bewegende Wasser tut gut – Sonnenstrahlen blinken auf und werden von einem sanften Plätschern begleitet.”

Alexander Klein

Bergrasthaus