Feuerspeiende Vulkane mitten in Hessen? Allerdings! Vor etwa 18 bis 15 Millionen Jahren waren Vulkane im Vogelsberg aktiv. Mit einer Fläche von rund 2.500 Quadratkilometern ist er das größte Vulkanmassiv in Mitteleuropa.

 

Erstarrte Lavaströme, fünf- und sechseckige Basaltsäulen oder sagenumwobene Felsformationen wie die Geotope „Bonifatiuskanzel“ und „Gesicht“, an denen der Bergmähwiesen-Pfad entlangführt, sind sichtbare Zeugnisse dieses feurigen Zeitalters.

 

Das Vulkangestein prägt auch die Bergmähwiesen: Der Boden an der Herchenhainer Höhe besteht überwiegend aus Braunerden, die als Verwitterungsprodukt aus vulkanischem Basalt und Lösslehm entstanden waren. Im Zusammenspiel mit der Höhenlage über 700 m, dem Mittelgebirgsklima mit hohen Niederschlägen, kalten Wintern und trockenen Sommern sind das beste Voraussetzungen für die Pflanzenvielfalt der Bergmähwiesen.

 

 

Hintergrundinformation

 

Zur Entstehung des Vogelsbergs, dem größten Vulkangebiet Mitteleuropas

 

Die Förderung der vulkanischen Gesteine begann im Vogelsberg vor etwa 18 Mio. Jahren und endete vor ungefähr 15 Mio. Jahren. Mit der Wanderung des afrikanischen Kontinents in Richtung Norden geriet auch die europäische Platte unter steigenden Druck. Durch eine Vielzahl an Spaltenergüssen und einzelnen Eruptionen war in mehreren, zeitlich versetzten Schüben der Vogelsberg entstanden. Zwar wirkt der Vogelsberg heute wie ein großer Zentralvulkan, doch das ist er nicht. Tatsächlich stellt er sich als Region dar, die von vielen unterschiedlichen Ausbruchsstellen geprägt ist.

 

Der Vogelsberg baut sich überwiegend aus Basalten auf, doch auch Trachyt ist zu finden. Beides sind Ergussgesteine, die durch den Aufstieg von flüssiger Gesteinsschmelze (Magma) entstanden. Dieses Magma kann dicht unter der Oberfläche erkalten oder als Lava hervortreten und dann über der Erde erkalten. Neben Basalt und Trachyt finden sich auch Auswurfprodukte des Vulkans, so genannte Pyroklastika. Diese kommen in Form von feinkörniger Asche, Lapilli (kleinen Steinchen) oder Bomben (größere Lavafetzen) vor. In verfestigter Form nennt man Aschen „Tuff“ und Material mit einem höheren Anteil an Bomben „Schlackenagglomerat“.

 

Während der Vulkantätigkeit herrschte deutlich wärmeres Klima, in dem u.a. Palmen und Lorbeerbäume wuchsen. Die vulkanischen Produkte, auch die Basalte, waren damals einer tiefgründigen Verwitterung ausgesetzt. Ihre mineralischen Bestandteile wurden dabei chemisch umgewandelt. Es bildeten sich mächtige Verwitterungsdecken, die an der Oberfläche Roterden entwickelten. Das Eisen wurde aus den Gesteinen herausgelöst und konzentrierte sich in Form von Krusten aus "Basalt-Eisenerz". In Bauxitknollen wurde auch Aluminium angereichert. Daneben entstanden an manchen Stellen auch Braunkohlelager im Vogelsberg. Die chemische Verwitterung ließ zum Ende des Vulkanismus nach. Das Klima wurde zunehmend kühler. Vor etwa zwei Millionen Jahren begann das Zeitalter der Eiszeiten. Wasser, Eis und Wind sorgten nun dafür, das das radialstrahlige Talnetz entstand und die Verwitterungsprodukte abgetragen wurden, wobei sich Flussterrassen bildeten. Auch die für den Vogelsberg so typischen Blockmeere entstanden in dieser Zeit.

 

 

Weiterführende Informationen

 

 

 

Bildergalerie

„In den kleinen Dingen zeigt die Natur ihre grössten Wunder”

Marco und Melanie Straßberger

Familie mit landwirtschaftlichem Nebenerwerbsbetrieb aus Herchenhain